Kommentar: DFL und Nachhaltigkeit

Die DFL zieht – nach dem DFB – mit einer Absichtserklärung zur Nachhaltigkeit im Profifußball nach. Erstmals sollen die Bundesligavereine zur Saison 2023/24 verbindliche Kriterien zur Nachhaltigkeit nachweisen.

Das ist überfällig – hat doch Christian Seifert schon im April 2020 im Zuge der Coronakrise von einer Demut gesprochen, die Auswüchse und Sonderstellung des Fußballs in Frage zu stellen. Was lange nach einer Ausrede ausgesehen hat, um die Politik dazu zu bewegen beim Restart der Bundesliga alle Augen zu zudrücken, scheint endlich der Wille im deutschen Profifußball da zu sein, Nägel mit Köpfen zu machen.

Doch einige Fragen sind ungeklärt. Wie Willens sind die Vereine im dritten Jahr der Pandemie Nachhaltigkeitskriterien zu erfüllen, wenn die Kassen leer sind und mit den Themen kein Mehrwert erzielt werden kann? Was ist mit den Vereinen, die im europäischen Wettbewerb um ihre Konkurrenzfähigkeit fürchten, weil eben die anderen Ligen keinen Sonderweg einschlagen? Wie verhalten sich die beiden Platzhirsche in der Liga, die ja bekanntlich jedes Aufbegehren der kleinen Vereine in Sachen Nachhaltigkeit im Keim ersticken? An dieser Stelle sei nur das Klub-Treffen am Frankfurter Flughafen im November 2020 erwähnt.

Hinzu kommt noch, dass von der äußerst fruchtbaren Diskussion aus der Taskforce Zukunft Profifußball nur Fragmente im Ergebnisbericht auffindbar sind. Die Formulierungen sind so schwammig und wage, dass die Handlungsempfehlungen stets unkonkret bleiben. Nun werden in einer Arbeitsgruppe diese wagen Handlungsempfehlungen nach Mindestkriterien, erweiterte Kriterien und Anreizkriterien filetiert. Hier stellt sich die Frage, wer bestimmt was der Mindeststandard sein soll? Und wie soll der Mindeststandard besonders im Bereich der ökologischen Nachhaltigkeit konkret ausschauen? Sorgt dann auch die Liga für Kompensation der Emissionen, die bei An- und Abreise der Fans entstehen?

Der DFB hat mit seiner Unterschrift der UN Sports for Climate Action-Initiative im Januar 2020 und Beitritt zu Sports For Future im November 2020 schon zwei Absichtserklärungen abgegeben. Seitdem sucht der Verband selbst noch nach seinem CO2-Fußabdruck oder versucht das Problem auf die Amateure abzuwälzen, während die Nationalelf Kurzstrecken gerne mit dem Flugzeug zurücklegt.

Absichtserklärungen gibt es genug. Es ist Zeit um endlich Ergebnisse auf den Tisch zu legen und Maßnahmen zu ergreifen. Das gilt sowohl für die DFL und ihre Bundesliga als auch für den DFB.

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